Ueli Meyes

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Aserbaidschan, kulturelle Vielfalt im Kaukasus

"Aserbaidschan (aserbaidschanisch Azərbaycan, amtlich Republik Aserbaidschan, aserbaidschanisch Azərbaycan Respublikası) ist ein Staat in Vorderasien mit über 10 Millionen Einwohnern. Zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus gelegen, grenzt er im Norden an Russland, im Nordwesten an Georgien, im Süden an den Iran, im Westen an Armenien und über die Exklave Nachitschewan, die vom aserbaidschanischen Kernland durch einen armenischen Gebietsstreifen getrennt ist, an die Türkei. Hauptstadt und mit rund 2,2 Millionen Einwohnern grösste Stadt Aserbaidschans ist Baku (aserbaidschanisch Bakı), eine bedeutende Hafenstadt am Kaspischen Meer. Mehr als 89 Prozent der Bevölkerung sind schiitische Muslime. „Aserbaidschan“ bezeichnete ursprünglich die weiter südlich gelegene iranische Region Aserbaidschan, während das heutige Staatsgebiet Arrān und Albania hieß. Als das Russische Kaiserreich zerfiel, wurde am 28. Mai 1918 die unabhängige Demokratische Republik Aserbaidschan ausgerufen. Nach nur zwei Jahren fiel Aserbaidschan allerdings wieder an die Sowjetunion und wurde zu deren Teilstaat Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik. 1991 wurde Aserbaidschan wieder unabhängig. Mit dem Nachbarland Armenien bestand bis 2024 ein bewaffneter Konflikt um die Region Bergkarabach. Bis heute wird das Land autoritär regiert: Es kommt regelmässig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte, Frauen und Minderheiten werden in Aserbaidschan unterdrückt, die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt und Regierungskritiker werden verfolgt und inhaftiert. Aserbaidschan verfügt über bedeutende Ölreserven – ein rasanter Wirtschaftsaufschwung hat es seit 2000 zu einem Land mittleren Einkommens gemacht."

 

Aserbaidschan

11. Oktober - 18. Oktober 2025

 

Inspiration - Motivation

In Europa gibt's noch ein paar Destinationen, wo ich noch nicht war, unter anderem das kaukasische Aserbaidschan. Geographisch betrachtet dieses Land weder zu Europa noch zu Asien. Aserbaidschan ist eher ein Zwischenland in »Eurasien«, wie dies geopolitisch bezeichnet wird.

 

Vorbereitung

Bei den Planungsarbeiten für meine Indonesien-Reise 2025 stiess ich beim Stöbern auf die von DIAMIR Erlebnisreisen angebotene Rundreise Feuer des Kaukasus, sogleich hat mich das Feuer gepackt. Speziell an dieser Reise ist, dass auch die Exklave Nachitschewan besucht wird. Ich setze mich mit Diamir in Verbindung.

Diamir Reisen DIAMIR Erlebnisreisen GmbH, Berthold-Haupt-Strasse 2, D-01257 Dresden,
+49 351 3120-77, info@diamir.de, www.diamir.de

Nach einigem Abklärungs-e-Mail-Verkehr buche ich am 11. Februar 2025 und erhalte kurz darauf die Bestätigung.

Am 24. August 2025 reiche ich auf dem elektronischen Visum-Portal der Republik Aserbaidschan meinen Antrag ein. Diesem wird entsprochen, 3 Tage später erhalte ich das Visa.

 

Verwirklichung

Samstag, 11. Oktober 2025: Cham - Istanbul - Baku

Früh ist es, und dunkel, als ich am Bahnhof Cham auf den Interregio zum Zürich Flughafen warte. Im Hauptbahnhof in Zürich hat der Zug zwar einen längeren Aufenthalt, dafür muss ich nicht umsteigen.

Das Einchecken verläuft zügig, so dass ich bald im Besitze der beiden Boarding Pässe bin.

Kurze Zeit später sitze ich in der hintersten Sitzreihe am Fenster und warte auf den Start. Der Flug scheint mir ausgebucht zu sein; Schulferien einerseits und Schweiz-Türken auf Familienbesuch.

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen. Und dann würde, was uns gross und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein." (Reinhard Mey, 1974).

Nach der Landung in Istanbul dauert es rund 4 Stunden bis zu meinem Weiterflug nach Baku. Speziell: Im Flughafen Transit gibt es einen Fast Track für Familien und Menschen 65+.

"Der Airbus A321neo ist eine effizientere und modernere Version des Airbus A321 und Teil der A320-Familie. Das Flugzeug zeichnet sich durch neue Triebwerke („neo“ steht für „new engine option“) und „Sharklets“ (Flügelspitzen-Vorrichtungen) aus, die den Treibstoffverbrauch pro Sitzplatz um bis zu 20 % senken und die Reichweite erhöhen. Mit dem längsten Rumpf der A320-Serie bietet die A321neo eine höhere Passagierkapazität."

Ankunft in Baku kurz nach 20 Uhr. Im modernen Flughafen warte ich beim Gepäckband 2 auf mein Gepäck; beim Gepäckband 3 kommen die Gepäckstücke der Passagiere aus Moskau. Die Pass- und Gepäckkontrollen verlaufen problemlos.

In der Ankunftshalle treffe ich auf eine Reiseleiterin, welche ein Diamir-Plakat in die Höhe hält. Kurze Zeit später lerne ich Roland aus Zürich, Evelyn aus Berlin und Thomas aus Wiesbaden kennen.

Bei einem noch geöffneten Bankschalter wechsle ich 100 Euro und erhalte dafür 190 AZN, Aserbaidschan-Manat, kurz Manat.

Nach einer längeren Unklarheit, ob noch mehr Gäste mit diesem Flug anreisen, was nicht der Fall ist, führt uns die lokale Reiseleiterin zu einem wartenden Bus. Die Fahrt in die Stadt zu unserem Hotel lässt uns schon mal staunen ob der Moderne der Hauptstadt und wirtschaftlichem Zentrum Aserbaidschans.

Im ****-Stern-Hotel Central Park Hotel (entspricht bei weitem nicht westeuropäischem Standard) checken wir ein, natürlich nicht ohne nach dem WiFi-Zugang zu fragen. Morgen sei um 9 Uhr Treffpunkt in der Lobby.

 

Sonntag, 12. Oktober 2025: Baku

Der Blick aus meinem Zimmerfenster verheisst einen schönen Tag.

Beim Frühstück tönt es deutsch; aber da ich mit einer Kleingruppe unterwegs sein werde, müssen das auch andere Touristen sein. Ich setze mich an den Tisch der mir bekannten Roland und Thomas.

Nach dem Frühstück treffen wir uns in der Lobby, wo Guide Abbas die 11-köpfige Gruppe in gutem Deutsch begrüsst: Annette & Jürg aus Karlsruhe, Evelyn aus Berlin, Gert und Carsten aus Hannover, Günther aus Frankfurt, Heinz aus Bremen, Jano aus Bern, Roland aus Zürich, Thomas aus Wiesbaden und Ueli aus Cham.

Abbas erklärt uns das heutige Besichtigungsprogramm in der Hauptstadt Baku.

"Baku ist die Hauptstadt Aserbaidschans in Vorderasien. Mit zwei Millionen Einwohnern in der Stadtprovinz ist Baku die bevölkerungsreichste und flächengrösste Stadt des Landes und des gesamten Kaukasus. Die Stadt an der Westküste des Kaspischen Meeres ist Verkehrsknotenpunkt sowie Wirtschafts- und Kulturzentrum mit mehreren Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen. Durch die Lage innerhalb eines Erdölfördergebiets ist Baku auch der Knotenpunkt mehrerer Erdöl-Pipelines und besitzt einen bedeutenden Erdöl-Hafen am Westufer des Kaspischen Meeres, dem weltweit grössten See. Aufgrund ihrer günstigen Lage an mehreren historischen Handelswegen kann die Stadt auf eine reiche Geschichte zurückblicken: In der Altstadt, die seit 2000 den Status eines UNESCO-Welterbes hat, sind zahlreiche Paläste, Moscheen und Festungsbauten erhalten geblieben. Mitte November 2024 fand hier die 29. UN-Klimakonferenz (COP 29) statt.
Die Stadt ist berühmt für ihre mittelalterliche befestigte Altstadt: Dort befinden sich der Palast der Schirwanschahs, ein weitläufiger königlicher Gebäudekomplex, und der steinerne Jungfrauenturm, eines der Wahrzeichen der Stadt. Berühmte moderne Gebäude sind das von Zaha Hadid entworfene Heydar-Aliyev-Zentrum und die Flame Towers, 3 spitz zulaufende, beleuchtete Wolkenkratzer."

Zuerst fahren wir mit dem Bus und unserem Chauffeur Zaur - er wird sich in den nächsten Tagen als umsichtiger und guter Fahrer erweisen - zum Friedhof im Upland-Park mit der imposanten Aussicht auf die Bucht und die Stadt.

Mein erstes Foto gilt der Moschee der Märtyrer (Şəhidlər Məscidi) und das zweite den Flammentürmen, den Upland Flame Towers, einer Gruppe von drei Wolkenkratzern. Die Türme sind für ihre architektonische Gestaltung bekannt, die an Flammen erinnert, und beherbergen Büros, Wohnungen und ein Hotel.

Eingang zur Gedenkstätte Allee der Märtyrer, dem früheren Upland Friedhof, der bis in die 1930er Jahre auf dem Upland existierte.

Erster Gruppenfoto dieser Reises. V.l.n.r.: Thomas, Jano, Günther, Jörg, Gert, Annette, Roland, Ueli, Evelyn und Heinz.

"Als Schwarzer Januar wird die gewaltsame Niederschlagung der aserbaidschanischen Unabhängigkeitsbewegung in Baku bezeichnet. In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1990 verübten Einheiten der damaligen Sowjetarmee in der Stadt Baku ein Massaker an der Bevölkerung. Das blutige Ereignis forderte den Tod von 147 Zivilisten und einigen Hundert Verletzten. Der Oberste Sowjet der Aserbaidschanischen SSR erklärte in einem Dekret den Ausnahmezustand über Baku und stellte es unter militärische Kontrolle.

Der Schwarze Januar wird als die Wiedergeburt der Republik Aserbaidschan angesehen und ist eines der Ereignisse während der Glasnost- und Perestroika-Ära, bei dem die Sowjetunion mit Gewalt gegen Andersdenkende vorging"

Bevor wir zu Fuss runter in die Stadt gehen, geniessen wir die bombastische Aussicht von hier oben.

In der Bildmitte die Altstadt Itscheri Schecher, welche wir später erkunden werden.

V.l.n.r.: Jano, Günther, Carsten, Roland, Annette, Jörg, Ueli, Gert, Heinz, Thomas, Evelyn und kniend unser Guide Abbas.

Wir verlassen die Aussichtsterrasse und steigen die Stufen runter in die Stadt, wo uns Abbas auf einem Spaziergang zum National Museum of History of Azerbaijan führt. Das Nationalmuseum für Geschichte befindet sich im ehemaligen Wohnhaus des aserbaidschanischen Ölmagnaten und Philanthropen Haji Zeynalabdin Taghiyev. Das Museum wurde 1920 nach der russischen Übernahme von Baku gegründet und 1921 für Besucher geöffnet.

Die vielen ausgestellten Exponate mag ich nicht fotografieren, dafür das ehemalige Büro und die grosse Empfangshalle im Wohnhaus.

Danach führt uns Abbas Richtung Altstadt.

In Baku gibt es offensichtlich auch Kunden für die Nobelmarke.

Anstieg zum Eingangstor der befestigten Altstadt.

Die Altstadt präsentiert sich in sehr gutem Zustand, die Gebäude sind alle renoviert worden.

Beim Aufstieg zum Palast der Khane bewundern wir das aufwändig gestaltete Vahid-Denkmal.

"Das Vahid-Denkmal ist ein Denkmal, das zu Ehren des aserbaidschanischen Dichters und Ghasele-Sängers Aliagha Vahid (1895–1965) errichtet wurde. Es befindet sich in der Nähe der Altstadt, dem sogenannten Vahid Park oder Fountain Park. Die Skulptur ist für ihre originelle Gestaltung bekannt, die nicht nur eine Büste, sondern auch Elemente aus Vahids Werken darstellt, die wie Haare aus seinem Kopf herauswachsen."

Auf unserem Bummel erreichen wir den Palastkomplex der Schirwanschahs.

"Der Palast der Schirwanschahs ist ein Komplex der herrschaftlichen Bauten auf dem Gipfel des Hügels von İçəri Şəhər. Die Schirwanschahs waren eine muslimische Dynastie, die in der Region Schirwan im Gebiet des heutigen Aserbaidschans regierte. Zum Ensemble gehören das Mausoleum der Schirwanschahs, der Jungfrauenturm, die Schah-Moschee, das Grabmal des Seyid Yahya Bakuvi, das Murad-Tor, der Divanxana (Versammlungshaus), die Key-Gubad-Moschee und das Badehaus."

Eingang zum Familienmausoleum.

Die Schah-Moschee.

Die Überreste vom Hamam, dem Badehaus.

Nun kehren wir zum Bus zurück, der in der Nähe auf uns wartet, und fahren zum Heydar-Aliyev-Zentrum. Die augenfällige Architektur fällt von weitem auf.

Abbas verteilt die gekauften Tickets und wir besichtigen individuell das Kulturzentrum.

"Das Heydər Əliyev Merkezi (Heydər-Əliyev-Zentrum, auch Heydar-Aliyev-Zentrum) ist ein Kulturzentrum in der aserbaidschanischen Stadt Baku. Benannt ist es nach dem ehemaligen Präsidenten Heydər Əliyev.

Das Zentrum wurde zwischen 2007 und 2012 nach Plänen der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid erbaut und am 12. Mai 2012 von Präsident İlham Əliyev eröffnet."

Das Innere präsentiert sich als optische Augenweide, ein Spiel mit Formen, Licht und Schatten.

"Das Gebäude besteht aus einem Betonbaukörper, der von einem fliessenden Raumfachwerk umhüllt wird, das mit weissen Platten bedeckt ist. So entsteht ein fast monolithischer, skulpturaler Eindruck. Teile der Fassade sind grossflächig verglast. Die äusseren fliessenden Formen setzen sich konsequent im Inneren fort. Der Architekt Piers Gough, einer der Juroren des London-Design-Museum-Wettbewerbs, schwärmte von dem Bau als einem „betäubend schönen Gebäude von einer der brillantesten Architektinnen auf der Höhe ihres Könnens“."

Die ehemaligen Staatskarossen der Präsidenten.

Auf den verschiedenen Stockwerken öffnen sich immer wieder neue Ausblicke durch das Innere.

Wir kehren zum Bus zurück, der uns in ein Restaurant führt, wo wir ein Begrüssungsessen und laute Musik vorgesetzt bekommen.

V.l.n.r.: Thomas, Günter, Annette, Gert, Carsten, Jano, Roland, Jörg und die beiden lebenserfahrensten Evelyn und Heinz. Auch wenn es nicht unbedingt den Anschein macht, wir haben es lustig.

 

Montag, 13. Oktober 2025: Baku & Halbinsel Absheron

08:57 Uhr: Ready for departure.

"Abşeron ist eine 60 km lange Halbinsel am Kaspischen Meer. Auf der Halbinsel liegt Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans, sowie Teile des Rayons Abşeron. Die Halbinsel ist ein bekanntes Erdölförderungsgebiet. Die industrielle Erdölförderung begann hier im Jahr 1870. Absheron ist ausserdem reich an Salzseen, Mineralquellen und Schlammvulkanen. Eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit ist das natürliche Erdgasfeuer am Yanardag."

Nach einer einstündigen Fahrt steigen wir beim Burning Mountain, dem Yanardag, aus.

Die Drehkreuze öffnen erst um 10 Uhr, also müssen wir noch ein paar Minuten warten.

"Yanar Dağ (auch: Yanar dag, Yanardag oder Yanar dagh, auf Deutsch: brennender Berg) ist ein seit dem Altertum brennendes natürliches Erdgasfeuer am Hang eines Hügels in Aserbaidschan. Bis zu drei Meter hohe Flammen steigen aus einem zehn Meter breiten Grat an dem Kalksteinhügel Yanar Dağ, der in der Nähe von Baku auf der Halbinsel Abşeron am Kaspischen Meer liegt. Heute existiert nur eine Handvoll solcher natürlicher brennender Erdgasquellen in der Welt, die meisten davon in Aserbaidschan. Aufgrund des grossen Erdgasvorkommens unter der Halbinsel Abşeron haben dort schon während des Altertums Feuer natürlichen Ursprungs gebrannt, worüber historische Schriftsteller wie Marco Polo berichtet haben."

Nun ja, die erwarteten "Bis zu drei Meter hohen Flammen ..." entpuppen sich als kleine, lodernde Flammen; trotzdem ein eindrückliches Naturphänomen.

 

V.l.n.r.: Günther, Ueli, Jano, Jörg, Annette, Abbas, Evelyn, Heinz, Roland, Carsten, Thomas und Gert.

"Money, money, money, must be funny, in the rich man's world. Money, money, money." (ABBA)

"Die Erdölindustrie in Aserbaidschan förderte 2020 rund 716'000 Barrel Öl täglich beziehungsweise rund 35,1 Millionen Tonnen jährlich. Ende 2020 beliefen sich die nachgewiesenen Ölreserven Aserbaidschans auf 7 Milliarden Barrel oder 1 Milliarde Tonnen. Ausserdem fördert das Land Erdgas, im Jahr 2022 im Umfang von 34,1 Milliarden Kubikmetern. SOCAR ist ein staatliches Öl- und Gasunternehmen mit Hauptsitz in Baku, und eine wichtige Einnahmequelle für die Regierung Aserbaidschans."

Links und rechts der Strasse unzählige Onshore-Ölfelder.

Aserbaidschan verfügt nebst den Onshore-Ölfeldern auch über Bohrinseln im Kaspischen Meer, auch Kaspisee genannt, mit einer Fläche von etwa 371'000 km² der grösste See der Erde.

"Neft Dachlari (wörtlich: Ölfelsen, Erdöl-Steine) ist eine aserbaidschanische Bohrinsel im Kaspischen Meer. Die Bohrplattform wurde ab 1948 als weltweit erste Offshore-Bohrinsel von der damaligen Sowjetunion auf Stelzen im Kaspischen Meer angelegt. Sie hat einen Abstand von 45 km zur Küste der Halbinsel Absheron (auf der auch die aserbaidschanische Hauptstadt Baku liegt). Aufgrund eines Riffs beträgt die durchschnittliche Meerestiefe nur 20 Meter. Die Ölvorkommen befinden sich in einer Tiefe von 1100 Meter unter dem Meer. Zur Ölförderanlage gehört eine seit 1958 gebaute Siedlung, die über Wohnblocks, Geschäfte, Lebensmittelindustrie, zwei Kraftwerke (250 MW Leistung), Kulturstätten und einen Park verfügt.

In der ersten Bauphase entstanden neben eingeschossigen auch 16 zweigeschossige Wohnhäuser. Später, zwischen 1966 und 1975, kamen auch mehrere Wohngebäude mit fünf sowie eins mit neun Geschossen hinzu. Mit ihren 5000 Bewohnern und 300 km Strassen ist Neft Daşları die grösste Bohrinsel der Welt. Das Fundament der Hauptsiedlung bilden versenkte Schiffe, darunter der weltweit erste Öltanker Zoroaster. Zur Blütezeit in den 1960er Jahren existierten in einem Umkreis von 30 Kilometern um die Siedlung 2000 Bohrplattformen, die mit Viadukten für den Lkw-Verkehr verbunden waren."

Auf der Weiterfahrt erreichen wir den kleinen Ort Mardakan wo wir aussteigen und zu Fuss weitergehen; die Strassen sind zu schmal für unseren Bus. Dafür sehen wir Alltägliches, was es für uns aber nicht ist.

"Die Viereckige Burg Mardekan ist eine Burg, die Teil der Befestigungskette auf der Halbinsel war. Sie wurde vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet und liegt 2,5 km vom Kaspischen Meer entfernt. Der Hof der Burg ist 28 × 25 Meter gross, die ihn umgebenden sechs Meter hohen Mauern bilden nahezu ein Quadrat. An den Ecken wurden Rundbacksteine errichtet. Im Hof fand man mehrere Brunnen. In der Mitte des Hofes befindet sich ein 22 Meter hoher Wohnturm mit fünf Geschossen. Die Wendeltreppe beginnt zwei Meter über dem Erdgeschoss. Die Mauern und der Wohnturm sind mit Schiessscharten versehen und mit Gesims abgeschlossen. Der Wohnturm, dessen Gesims verziert ist, besitzt vier Rundbasteien."

Der anwesende alte "Burgwächter" erzählt uns Geschichten aus der alten Geschichte der Befestigungsanlage, die uns Abbas übersetzt.

Auf einer engen und steilen Treppe gelange ich auf die mehrere meterhohe Mauer.

"Die Tuba Şah Moschee im Dorf Mərdəkan, ist ein historisches Architekturdenkmal aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde von einer Frau namens Tuba Şahi in Auftrag gegeben und ist bekannt für ihre regionale Architektur, die trotz einfacher Ausführung einen gewissen Einfluss auf Moscheen und Mausoleen in der Gegend ausübte. Die Datierung ist umstritten, wobei ein Hauptbaujahr von 1481-1482 genannt wird, eine Inschrift im Inneren jedoch auf das Jahr 1372 datiert ist."

Same Same But Different: Wohntürme aus dem 12. Jahrhundert und 20. Jahrhundert.

Und weiter geht die Fahrt ... nach einer halben Stunden halten wir wieder an.

Tualet Halt? Ja, auch, aber vor allem wegen dem Feuertempel Atesgah.

"Der Atesgah ist ein ehemaliger Feuertempel in dem hinduistische Rituale stattfanden. Er wurde als Klosteranlage im 17. und 18. Jahrhundert in Surachani erbaut. Als ab 1883 in der Nähe Ölförderanlagen in Betrieb genommen wurden, wurde die Anlage aufgegeben. Seit 1975 ist der Gebäudekomplex ein Museum. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet Atesgah „Hort des Feuers“. Das Feuer wurde durch natürlich austretendes Erdgas gespeist."

Heute wird das Gas für die Feuer künstlich eingeleitet, da die natürliche Versorgung hier 1969 erschöpft war.

"Atesgah ist ein mittelalterlicher Ort der Anbetung, der den Hindus, Sikhs und Zoroastrern heilig ist. Die Feuerrituale an den zahlreichen Erdgasschächten von Atesgah gehen auf mindestens das 10. Jahrhundert zurück, obwohl die heutige Tempelanlage im 17. und 18. Jahrhundert errichtet wurde.

Die Struktur von Atesgah ähnelt den Karawansereien der Region mit fünfeckigen Mauern, die einen Innenhof umgeben. In der Mitte dieses Innenhofes von Atesgah befindet sich ein Altar, das Herzstück der Tempelanlage, in dem Feuerrituale durchgeführt wurden. Um den Tempelaltar herum befinden sich eine Reihe kleiner Zellen, in denen die asketischen Gläubigen und Pilger untergebracht waren. Es wird darüber diskutiert, ob der Feuertempel Atesgah als zoroastrisches oder hinduistisches Gotteshaus gegründet wurde, da die Struktur architektonische Elemente beider Religionen enthält, ohne sich ganz an beide zu halten. Die gängigste Theorie zählt den Tempel Ateschgah zur zoroastrischen Tradition. Im Laufe der Zeit hat sich der Tempel zu einem überwiegend hinduistischen Gotteshaus entwickelt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Atesgah, wahrscheinlich als Folge der schrumpfenden indischen Bevölkerung in Aserbaidschan, verlassen. Der gesamte Gebäudekomplex ist seit Mitte der 70er Jahre ein Museum und eine beliebte Besucherattraktion."

Ist Guide Abbas geschrumpft oder steckt er in zu grossen Schuhen?

Wir kehren im Restaurant vor Ort ein um ein Mittagessen einzunehmen. Die wieder laute Live-Musik holt uns definitiv aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurück.

Frisch gestärkt fahren wir danach nach Baku zurück und besuchen den Yashil Bazaar, wo fast alles an Lebensmittel angeboten wird, was das Land zu bieten hat.

"Yashil Bazaar (Grüner Markt) ist ein grosser Lebensmittelmarkt, bekannt für seine frischen und getrockneten Produkte, Gewürze, Nüsse, Käse und traditionellen aserbaidschanischen Spezialitäten wie Kaviar und Süssigkeiten. Der Markt ist ein lebendiger Ort, der sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht."

Granatäpfel sind in Aserbaidschan sehr beliebt und sind, in Saucen und Säften, zentraler Bestandteil der aserbaidschanischen Küche.

Recycling eins zu eins.

Fisch ist Fisch und Fleisch ist Fleisch, wie bei uns auch.

In frischer Frische oder geschmackvoll getrocknet.

Ja nicht berühren!

Nach diesem Einblick in die Kulinarik der Aserbaidschaner schliessen wir die heutige Besichtigungstour ab und fahren zum Hotel zurück. Nach einer Erholungspause im Zimmer mache ich mich alleine - ich habe mit niemandem abgemacht - auf die Suche nach einem Restaurant.

 

Dienstag, 14. Oktober 2025: Baku - Sheki

Um halb neun Uhr sind wir alle bereit, heute mit Gepäck, denn wir verlassen Baku. Vor uns liegt eine Fahrt von rund 300 Km. Unterwegs werden wir einige Besichtigungen im Ostkaukasus machen.

Kaum haben wir die Strasse beim Hotel verlassen, stehen wir im Stau. Erst auf der dreispurigen Strasse stadtauswärts kommen wir voran, während auf den drei Spuren der Gegenfahrbahn stehender oder stockender Verkehr herrscht.

Nicht nur das moderne Stadtbild lassen wir hinter uns, sondern auch die fruchtbare Gegend. Fehlendes Wasser verwandelt die Natur in Wüste.

Das Gas- und Erdölreiche Land investiert auch in erneuerbare Energie.

Guide Abbas informiert uns, dass wir einen Stopp einlegen werden, welcher nicht auf dem Programm steht: Schlammvulkane. Und so kommt es, dass wir irgendwo im nirgendwo anhalten. Abbas zeigt auf einen Hügel wo Erhebungen zu sehen sind; da hinauf steigen wir.

"Aserbaidschan besitzt die meisten Schlammvulkane weltweit, die sich über das ganze Land verteilen. 350 der 700 Vulkane der Welt befinden sich in der Republik Aserbaidschan. Schlammvulkane entstehen, wenn komprimierte gasförmige Kohlenwasserstoffe unter hohem Druck an die Oberfläche gelangen und den Schlamm zum Brodeln und Aufwirbeln bringen. Dieser Vulkantyp kommt vor allem in ölreichen und vulkanischen Regionen vor, was ihre Häufigkeit in Aserbaidschan erklärt.
Diese Vulkane bilden kegelförmige Hügel mit Kratern, wie ihre grösseren Gegenstücke, nur kleiner. Der Schlamm dieser Vulkane ist reich an Mineralien und wird häufig in der Kosmetik und in therapeutischen Anwendungen verwendet."

"Abenteuerlustige Touristen gönnen sich direkt vor Ort eine Schlammbehandlung, bei der sie ihre Hände in den Vulkanschlamm tauchen. Wenn Sie dieses Erlebnis geniessen möchten, bringen Sie unbedingt eine grosse Flasche Wasser mit, da sich der Schlamm nur schwer abwaschen lässt. Überlegen Sie sich auch gut, welche Schuhe und Kleidung Sie wählen, damit Ihre Lieblingsoutfits nicht ruiniert werden."

Genug gesehen von diesem Naturwunder, und ohne Schlammkontakt, mache ich mich auf den Rückweg zum Bus.

Und weiter geht die Fahrt, die uns zu einem der bemerkenswertesten historischen Denkmäler des Landes führt, dem Diri Baba Mausoleum, einem Meisterwerk aus dem 15. Jahrhundert.

Es scheint, dass wir nicht alleine sind ...

... jedoch: Wir haben weder das eine noch das andere Tier gesehen.

"Das Diri Baba Mausoleum in der Region Qobustan in Aserbaidschan ist ein beeindruckendes Beispiel antiker Architektur aus dem 15. Jahrhundert. Dieses zylindrische Mausoleum aus Stein hat eine ungewöhnliche Form, die an einen Bienenstock mit konischer Kuppel erinnert. Es ist ein bedeutendes historisches und kulturelles Wahrzeichen, nicht nur wegen seiner architektonischen Einzigartigkeit, sondern auch, weil es das Grab des Sufi-Mystikers und Einsiedlers Diri Baba beherbergt. Der Legende nach lebte Diri Baba ein einsames Leben in Kontemplation und Meditation und erlangte den Ruf seiner tiefen Spiritualität und Weisheit. Sein Grab befindet sich im Mausoleum und ist zu einem Wallfahrtsort für alle geworden, die Trost, Führung und Segen suchen."

Auf der gegenüberliegenden Seite steigen wir den Hügel hinauf.

Wir kehren über den Friedhof mit den uralten Grabsteinen zum Bus zurück.

Längst ist uns aufgefallen, dass auf dem Lande nicht mehr neue Autos unterwegs sind wie in der modernen und pulsierenden Hauptstadt Baku. Hier werden alte und uralte Lada gefahren.

"AwtoWAS (russisch АвтоВАЗ; anfänglich voll ausgeschrieben russisch Волжский автомобильный завод, Wolschskij awtomobilnyj sawod, „Wolga-Automobilwerk“) ist der grösste Hersteller von Personenkraftwagen in Russland. Die Fahrzeuge von AwtoWAS werden unter dem Markennamen Lada (russisch Лада, Lada) verkauft. Anfangs war dieser Name lediglich für den Export ins Ausland gebräuchlich."

In Shamakhi besuchen wir die Juma-Moschee (Freitagsmoschee).

"Die Cümə-Moschee von Şamaxı oder auch Freitagsmoschee von Şamaxı: Das grösste Wahrzeichen von Shamakhi ist die Juma-Moschee, eines der grössten und prunkvollsten Gotteshäuser Aserbaidschans.

Während die derzeitige Struktur im Jahr 2013 rekonstruiert wurde, wurde die früheste Version bereits im Jahr 743 n. Chr. erbaut, was sie zur zweitältesten Moschee im Kaukasus und zur ältesten in Aserbaidschan macht.

Seitdem wurde sie mehrmals zerstört und wieder aufgebaut, vor allem während des verheerenden Erdbebens, das Shamakhi 1859 in Schutt und Asche legte, und später bei interethnischen Zusammenstössen im Jahr 1918. Neben der historischen und religiösen"

Unseren nächster Halt auf dem Weg nordwestwärts nach Sheki, machen wir in Nij, wo wir die Kaukasisch-Albanisch-Udi Kirche besichtigen.

"Nij ist eine Stadt im Bezirk Qabala und eine der wenigen Siedlungen des Udi-Volkes weltweit, einer einzigartigen christlichen Gemeinschaft, die vermutlich von einem der 26 Stämme des kaukasischen Albaniens der Spätantike abstammt. Die Udi sprechen eine fast ausgestorbene Sprache, die vom alten Albanisch abstammt, beherrschen jedoch auch Aserbaidschanisch gut. Ihre Sprache ähnelt eher der der Bergvölker Dagestans als Persisch oder Turksprachen. Darüber hinaus sind die Udi gläubige Christen. Heute leben etwa 4'000 Udi in Nidz, was fast 80 % der Gesamtbevölkerung des Dorfes ausmacht."

Von den Bäumen strahlt eine herbstliche Ambiente aus, ein Wohlgefühl für Augen und Nase.

Wir fahren weiter und wechseln bei der nächsten Besichtigung in Oghuz nochmals die Religion: Nach einer islamischen und christlichen Stätte, besuchen wir nun eine jüdische Synagoge.

Wegen den weltweit angestiegenen antisemitischen Taten, sind hier Polizisten vor Ort.

"Oghuz im Nordwesten Aserbaidschans war historisch gesehen eine der wichtigsten jüdischen Siedlungen des Landes, deren jüdische Bevölkerung in den Jahren 1930 bis 1933 mit 2'000 bis 2'500 Einwohnern ihren Höhepunkt erreichte. Hier bildete sich eine einzigartige Gemeinschaft von Juden und Muslimen, die harmonisch zusammenlebten und Feiertage und Traditionen teilten. Obwohl viele nach dem Fall der UdSSR die Gemeinde verliessen, sind einige Mitglieder dieser Gemeinde immer noch geblieben, mit mehreren Häusern im jüdischen Stil (mit jüdischen Ornamenten und oft in Richtung Jerusalem) und zwei Synagogen und Friedhöfen, die ein Fenster in die jüdische Vergangenheit der Stadt bieten. Die Synagogen werden aufgrund ihrer Lage in der Stadt einfach Obere und Untere Synagoge genannt. Die Untere Synagoge wurde 1847 erbaut und war die erste Synagoge in Oghuz, während die Obere Synagoge 1897 erbaut wurde und nach einer vollständigen Restaurierung im Jahr 2006 jeden Freitag und Samstag von der verbliebenen jüdischen Bevölkerung von Oghuz zum Gebet besucht wird."

Wir besuchen die obere Synagoge, welche 1897 von Rabbi Borukh erbaut worden ist.

Am späteren Nachmittag erreichen wir Sheki und checken im Shaki Palace Hotel ein.

Das Hotel bietet Massagen an. Ich erhalte einen Termin für eine Ganzkörper-Öl-Massage. Viel zu schnell vergeht die erholsame Stunde.

 

Mittwoch, 15. Oktober 2025: Sheki

"Sheki hat eine lange und faszinierende Geschichte, die bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie von verschiedenen Reichen beherrscht, darunter das Shirvan-, Safawiden- und Russische Reich. Heute können Besucher die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden, darunter den Palast des Sheki-Khans, der im 18. Jahrhundert erbaut wurde, und die Sheki-Karawanserei, die auf das 18. Jahrhundert zurückgeht und als Zentrum für Händler diente, die auf der Seidenstrasse reisten."

Unser Bus steht vor dem Hotel bereit. Wir steigen ein und lassen uns zum Palast des Khans fahren.

Mit geneigten Häupter betreten wir die Zitadelle, in der der Palast liegt. Ist der Khan anwesend, hat jemand etwas verloren oder liegt es am unebenen Untergrund?

"Der Khanpalast von Şəki ist die ehemalige Sommerresidenz der Khane von Sheki. Er liegt in der Zitadelle der Stadt Şəki und ist von Burgmauern umgeben. Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert im persischen Stil errichtet und zusammen mit dem historischen Teil der Stadt im Jahr 2019 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Zum Palast der Khane von Sheki gehörten früher weitere Trakte. Der Sommerpalast ist als einziger erhalten. Er wurde 1797 im Auftrag von Khan Muhammed Hassan errichtet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfiel der Palast. Die anderen Teile des Komplexes haben diese Zeit nicht überstanden. Ab etwa 1850 liess der Statthalter Kaukasiens, Fürst Michail Semjonowitsch Woronzow, den Sommerpalast renovieren. Zunächst das Erdgeschoss, später auch das Obergeschoss. In diesem war zu dieser Zeit das Archiv des Verwaltungskreises untergebracht."

Das Fotografieren ist im Palast leider nicht erlaubt.

Der Baum ist älter als der Palast. Gemäss den Angaben beinahe 500 Jahre alt, mit einem Umfang von 13.5 m und einer Höhe von 42 m.

Wie das so ist, mit der Technik, manchmal gerät sie ausser Kontrolle und das Handy macht dann selbständig Fotos, trotz Verbot. Abgesehen davon finden sich im Internet viele Fotos von der wunderbaren Gestaltung der Innenräume.

In einem Gebäude in der Nähe sind kreative Handwerkerinnen und Handwerker tätig.

Bitte hier entlang ...

Wir gehen auf dem Weg zur Stadt hinunter, befinden uns aber immer noch in der grossen Nukh-Festung.

"Der Bau der historischen Befestigungsanlage Nukh in Şəki begann 1765 unter der Leitung des Khans selbst, noch vor der katastrophalen Flut von 1772, die das heute als „altes“ Sheki bezeichnete Gebiet wegschwemmte. Die Flut beschleunigte zwar die Umsiedlung des Khans, war aber nicht der einzige Grund dafür. Das alte Sheki war bereits durch die Kriege des ersten Khans, Gadschi Çelebi, gegen Persien in seinem Streben nach Unabhängigkeit verwüstet worden. Darüber hinaus machte Nukhs Nähe zur Festung Gelarsan-Gerarsan – Sekis letzter Verteidigungslinie, die 1743 von Nadir Schah nie erobert wurde – es zu einer strategischen Wahl für den Khan. Die Zitadelle von Nukh thront über dem Juchary-Basch Viertel (der alte Teil der Stadt), zu dessen Toren die Fatali-Akhundzade-Strasse die Besucher führt.

Die Festungsmauern erstrecken sich über 1,3 Kilometer. Die Festung wurde so konzipiert, dass sie den Waffen der kaukasischen Hochländer, Steppennomaden und persischen Soldaten standhält und benötigte daher keine Erdwälle oder Bastionen mit Kasematten. Ihre zwölf Türme sind strategisch günstig zum Gurganjachay-Fluss ausgerichtet, wobei neun davon dem Wasser zugewandt sind. Das Bauwerk fügt sich nahtlos in den 12 Meter hohen Hang innerhalb des Festunggeländes ein. Die Höhe der Aussenmauer beträgt acht Meter, die der Innenmauer vier Meter und bietet so einen ungehinderten Blick auf die darunterliegende Stadt."

Unterwegs besuchen wir einen Meister seines Fachs: Tofiq Rasulov, einer der renommiertesten Shebeke-Handwerker, der das Handwerk von seinem Vater erlernte und seit 45 Jahren ausübt.

"Shebeke Fenster: Sheki ist berühmt für ihre Shebeke Fenster, kunstvolle Glasfenster im Holzrahmen, wie sie auch das berühmteste Bauwerk der Stadt, den Khansaray schmücken. Die Kunst der Shebeke Fenster entstand im 18. Handhundert als Händler Gewürze gegen Muranoglas aus Italien eingetauschten. Hierbei werden Mosaikstücke aus Glas ohne Verwendung von Nägeln oder Leim in Holzrahmen aus Kastanie oder Walnussholz eingepasst. Heute werden auch billigere Gläser aus Russland verwendet."

Wir werden aufgefordert, selbst ein kleines Shebeke-Fenster herzustellen, was sich als sehr schwierig herausstellt.

Nicht unbedingt über grosses künstlerisches Talent verfügt der Flötenspieler auf unserem weiteren Weg.

Sheki verfügt über zwei alte Karawansereien, wobei die Grössere wegen Renovierungsarbeiten nicht besucht werden kann.

"Die Obere Karawanserei liegt unterhalb der Festung an der Ecke Akhund-zade und Fatali Khan Khoyski Strasse, während die Untere Karawanserei nur ein kurzes Stück weiter die Strasse entlang liegt. Derzeit ist nur die Obere (oder Kleine) Karawanserei mit einer Fläche von 6'000 Quadratmetern für Touristen geöffnet. Das dreistöckige Gebäude liegt am Fluss Gurdjanachay. Die Keller und das Erdgeschoss dienten typischerweise als Lager- und Handelsräume, während die oberen beiden Stockwerke Zimmer für Händler und Reisende beherbergten.
Heute beherbergt die Obere Karawanserei ein gleichnamiges Hotel. Gäste können in Zimmern mit Gewölbedecken übernachten und sich so wie Karawanenhändler aus der Zeit der Grossen Seidenstrasse fühlen."

Gegen Ende der Touristensaison ist das Hotel nicht mehr geöffnet. Wir können aber den Innenhof besichtigen.

Nun fahren wir mit dem Bus ins kleine Bergdorf Kish, welches rund 5 Km nördlich von Sheki liegt.

"Kish ist mit seinen knapp 7'000 Einwohnern ein eher unauffälliger Zeuge einer einst mächtigen Pracht und einer Geschichte von grosser religiöser Bedeutung. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde hier die erste christliche Kirche der Welt gebaut. Heute ist Kish ein ruhiges, gemütliches Dorf. In den herrlichen gepflasterten Strassen rund um die Kirche von Kish sind Kinder am Spielen und alte Männer mit flachen Mützen sitzen gemütlich zusammen. Es gibt einige reizvolle Spaziergänge das Flusstal hinauf zur Festungsruine Gelersen-Gerersen. Aber im Gegensatz zu vielen ähnlichen Dörfern ist Kish der beste Ort, um das mysteriöse kaukasische Albanien kennenzulernen: die christliche Nation, die einst den grössten Teil Nordaserbaidschans bevölkerte. Kish ist eines der ältesten Dörfer im heutigen Aserbaidschan."

Die Strassen im Dorf sind zu schmal für unseren Bus, so geht's zu Fuss aufwärts zur alten Kirche.

"Die frühchristliche Kirche von Kish: Das heutige Gebäude der Kirche von St. Elisa wurde im 10. bis 12. Jahrhundert erbaut. Sie steht an der Stelle in Kish, an der der heilige Elisa im 1. Jahrhundert seine Kirche gründete. Die Kirche von Kish wird als eines der ältesten spirituellen Zentren im Kaukasus bezeichnet, da St. Elisa der erste Patriarch der Kirche des kaukasischen Albaniens und ein frühchristlicher Führer im Kaukasus war. Die Datierung von Artefakten, die unter der Kirche von Kish gefunden wurden, hat bestätigt, dass dies schon wesentlich länger ein heiliger Ort ist, als die heutige Kirche existiert. Die Kirche von Kish ist wunderschön mit einem eigenen Stil. Das heutige Gebäude stammt aus dem 12. Jahrhundert. Es hat eine exquisite Zeltkuppel und schmale Fenster. Die Innenarchitektur ist typisch für einen eher kleinen Tempel und der Innenhof beherbergt einen alten Friedhof."

Wasserverteilung im Dorf.

Der Fluss Kish fliesst sowohl durch das Dorf Kish als auch durch die Stadt Sheki, die ursprünglich am linken Ufer des Flusses lag.

"Wegen der häufigen Zerstörung durch den Fluss Kiş– unter anderem 1772 durch eine Schlammlawine – wurde die Stadt Sheki an ihrem heutigen Ort wieder aufgebaut, weswegen die ältesten historischen Bauten erst aus dem 16. Jahrhundert stammen. Als Konsequenz der Schlammlawine wurden zahlreiche zum Fluss Kish führende Kanäle in der Stadt angelegt, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern."

Abendspaziergang auf der "Seidenstrasse", vorbei an unzähligen Souvenirshops ...

... wir sind auf der Suche nach einem empfohlenen Restaurant ...

... und werden fündig: Schweizer Abend im Çələbi Xan, einem Restaurant, das aserbaidschanische und traditionelle Gerichte wie Piti, Tandoori und Kebabs anbietet.

Um draussen zu sitzen ist es zu kalt. So lassen wir uns vom dekorativ überfüllten Inneren überraschen.

"Xirdalan is a №1 local beer in Azerbaijan, proudly brewed from natural quality ingredients. The beer is characterized by a gentle taste and rich natural flavor of a classic lager."

Zum Apéro bestellen wir Xirdalan, das bekannteste und beliebteste lokale Bier in Aserbaidschan. Es ist ein leichtes Lagerbier, das für seinen mittleren, leicht bitteren Geschmack bekannt ist und wird von Carlsberg Azerbaijan gebraut.

Wir verlassen uns auf die lange Weinbautradition in Aserbaidschan, die über 4000 Jahre zurückreicht, und bestellen eine Flasche Rotwein.

"Az Abrau" ist ein Wein des russischen Unternehmens Abrau-Durso, das in Sheki Weinanbau betreibt und dort Weine aus lokalen Rebsorten wie Madrasa und Bayanshira produziert."

V.l.n.r.: Jano , Roland und Ueli .

Auf Empfehlung der Bedienung haben wir verschiedene Kebabs bestellt.

Ein süsses Dessert liegt noch drin.

Wir winken einem Taxi und lassen uns ins Hotel zurückfahren.

 

Donnerstag, 16. Oktober 2025: Sheki & Region Gakh

"Gakh (aserbaidschanisch Qax) ist eine Stadt und ein Bezirk im Nordwesten von Aserbaidschan, der für seine landschaftliche Schönheit, reiche Geschichte und vielfältige Kultur bekannt ist. Die Region liegt am Fusse des Kleinen Kaukasus, grenzt an Georgien und verfügt über eine vielfältige Flora und Fauna. Sie bietet historische Stätten, Thermalwasser und ein grosses Potenzial für den Tourismus, wie z. B. die umliegende Ilisu-Sultanatsgeschichte und das Ilisu-Naturreservat."

Nach dem Verlassen der Stadt Sheki, sehen wir auf der rechten Seite die alte Kirche von Kurmuk, die majestätisch hoch oben auf einer Klippe thront. Es ist eine christliche albanische Kirche, errichtet während der Existenz des kaukasischen Albaniens.

Im Dorf Gakh halten wir bei der St.-Georgs-Kirche an.

Der Kirchturm ist nicht verbunden mit dem Hauptgebäude der Kirche.

"Die St.-Georgs-Kirche ist eine georgisch-orthodoxe Kirche im Dorf Gakh-Inguila, 30 Meter vom linken Ufer des Flusses Kakistskali entfernt, an der Grenze zu Georgien. Die Kirche wurde infolge der Invasion von Schah Abbas I. in Georgien zerstört, später aber in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an der Stelle einer alten Kirche wieder aufgebaut. Die letzte Renovierung durch Ivan-Baba Belughashvili stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Derzeit ist die Kirche die einzige aktive georgisch-orthodoxe Kirche in Aserbaidschan."

Wir halten in der Nähe des Dorfes Ilisu, aber nicht wegen der neuen Brücke, sondern wegen der alten Steinbrücke Ulu körpü aus dem 18. Jahrhundert.

Bei der nächsten Besichtigung können wir zwischen einem längeren Fussmarsch steil aufwärts, oder einer Schüttelbecher Fahrt mit einem Geländewagen wählen. Als Wasserfall-Verwöhnter ziehe ich die Fahrt vor; zu viert steigen wir ein.

Das Schlussstück ist steil, aber für den 4x4 Geländewagen mit Geländegängen kein Problem. Da werden die acht Wanderer aus der Gruppe nochmals gefordert.

Wie erwartet überwältigt mich der Rinnsal-Wasserfall nicht. Beim Warten auf die Gehenden spüren wir die Kälte bei bei der Felswand im Schatten; meine warme Jacke ist unten im Bus.

"Der Ilisu Wasserfall (auch bekannt als "Ram-Rama") befindet sich in einer sehr malerischen. Er beginnt an den steilen Klippen des Grossen Kaukasus und erreicht eine Höhe von 25 Metern. Um die Quelle des Wasserfalls zu erreichen, muss etwa eine Stunde lang den steilen Hang hinauf gewandert werden. Wer keine Lust am Wandern hat, kann sich von Einheimischen auf der Strasse zwischen den Felsen hinauf fahren lassen."

Kein einziges Tier lässt sich sehen.

Wieder unten angekommen, treffen wir uns beim Tea Room zu einem wärmenden Tee. Die Runde wird mit den individuell zu Fuss Ankommenden immer wie grösser; mehr Stühle müssen her, und Tee auch.

Im Dorf Ilisu besuchen wir die Ulu-Moschee.

"Die Ulu-Moschee (aserbaidschanisch: Ulu Məscid), auch bekannt als Juma-Moschee, ist eine ehemalige sunnitische islamische Freitagsmoschee im Dorf Ilisu. Die ehemalige Moschee wurde im 18. Jahrhundert erbaut."

Guide Abbas in neuer Rolle.

Kaum eine Viertelstunde später halten wir bei der dreistöckigen Verteidigungsanlage Sumukh an.

"Die Festung Sumukh ist eine dreistöckige Verteidigungsanlage im Dorf Ilisu, das einst das Zentrum des Ilisu-Sultanats war. Sie wurde im 17. und 18. Jahrhundert erbaut und ist ein beliebtes Wahrzeichen, von dem aus man eine grossartige Aussicht auf die Umgebung hat."

Nun, ob das mit der Aussicht stimmt weiss ich nicht, der Turm war Wegen zu geschlossen.

Wir sind hier auf 1214 MüM, wohl deshalb schauen die Kühe anders aus als bei uns.

Nun fahren wir ins Dorf Lekit, wo alle umsteigen müssen, um zur nächsten Sehenswürdigkeit zu gelangen. Neben einem Geländewagen steht auch ein russischer Bulli, ein UAZ Buchanka bereit. Der Kleintransporter verfügt über zwei 2 Achsen und einen zuschaltbaren Allradantrieb sowie eine Differentialsperre.

"UAZ steht für Uljanowski Awtomobilny Sawod, ein russischer Automobilhersteller. Der Name wird oft im Zusammenhang mit Fahrzeugen wie dem UAZ-452 "Buchanka" verwendet, der wegen seines Aussehens liebevoll "Kastenbrot" genannt wird und dem VW-Bus ähnelt."

Ich setzte mich vorne neben den Fahrer.

Zuerst geht's durchs Dorf, wobei unser Fahrer für den Zustand der Strasse nur ein Lächeln übrig hat.

Nun ist es an der Zeit, die Differentialsperre einzuschalten. Damit diese durch das Schütteln nicht wieder raus fällt, fixiert der Fahrer den Schalthebel mit einem speziellen Holzstab.

Wir erreichen den ehemaligen Tempelkomplex Sieben Kirchen. Der Zustand der Ruinen erinnert mich spontan an Angkor Wat, der eindrucksvoll Tempelanlage in Kambodscha.

"Der Klosterkomplex Sieben Kirchen ist eine historische christliche Klosteranlage in Aserbaidschan in der Nähe des Dorfes Lekit. Der Komplex stammt aus dem 6. bis 7. Jahrhundert und zeugt von der Präsenz der alten apostolischen albanischen Kirche in der Region. Die Anlage liegt in den Bergen und ist ein Beispiel für die antike Architektur des Landes, die vor der Verbreitung des Islam entstand. Die Anlage gehört zu den ältesten christlichen Klöstern im Kaukasus und ist ein Zeugnis der früheren Präsenz der kaukasisch-albanischen Christen und ihrer Kirche."

Alles hat seine Richtigkeit. Auch die Ruinen verfügen über Inventarnummer. Angesichts des Zustandes ist es schwer vorstellbar, dass hier jemals ein Wiederaufbau stattfinden kann. Mich dünkt, es hat viel zu wenig altes Baumaterial.

Wir machen uns auf den Rückweg.

Wieder unten im Dorf angelangt, steht der nächste Fahrzeugwechsel an ...

... oder doch nicht?

So, genug für heute, wir fahren zurück nach Sheki zu unserem Hotel.

Als fleissiger Ristretto- & Espresso-Trinker zu Hause, habe ich hier in Aserbaidschan, wie auf den meisten meiner Reisen, aufs Kaffee trinken verzichtet und bevorzuge Tee. In diesem Lokal jedoch entdecke ich eine gute Espresso Maschine. Ein Doppio ist mir sicher.

"Doppio Espresso ist ein doppelter Espresso, der mit der doppelten Menge Kaffeepulver in einem grösseren Siebträger extrahiert wird. Das Ergebnis sind 60 ml Getränk, die doppelte Menge eines einfachen Espressos. Doppio ist das italienische Wort Multiplikator und bedeutet doppelt."

 

Freitag, 17. Oktober 2025: Von Sheki über Helenendorf (Göygöl) nach Gandscha (Ganja)

Die Abfahrt ist auf neun Uhr angesagt, diesmal wieder mit Gepäck, den wir ziehen weiter.

Bevor wir Sheki verlassen, statten wir dem Sheki Markt einen Besuch ab, der für eine riesige Auswahl an lokalen Produkten bekannt ist. Eine Vielzahl von Fisch, Fleisch, Gemüse, Gewürzen, Nüssen und Obst warten auf Kunden. Besonders berühmt ist der Markt für die Sheki Halva, einem sehr süssen Dessert.

Der Fahrer dieses Autos hat bereits eingekauft.

Für mich ist der Besuch eines Marktes immer eine gute Gelegenheit, einen Einblick in den lokalen Alltag zu erhalten, zudem ist der Kontakt zu den Menschen nahe und einfach.

Die Farbenvielfalt beim Obstangebot ist sehr attraktiv.

Können Sie mir bitte ein halbes Kilo abschneiden?

Solche Angebote sind in unseren Metzgereien eher selten anzutreffen.

İkimizin şəklini çəkə bilərəm? (Kann ich ein Foto von uns beiden machen?)

Brot aus dem Holzofen? Tönt interessant; ich statte der Bäckerin einen Besuch ab.

Wir steigen in unseren Bus ein, der in der Nähe vom Markt auf uns gewartet hat und verlassen die Stadt Sheki.

Beim Stadttor machen wir einen kurzen Halt.

Aserbaidschan liegt im historischen Bereich Transkaukasien, das zu den Wiegen der Weinkultur zählt.

Wir erreichen Göygöl, ehemals Helenendorf, eine schwäbische Siedlung.

"Seit 1818 leben Deutsche in Aserbaidschan. Der Prozess der Umsiedlung der deutschen Kolonisten in Aserbaidschan begann mit den ersten deutschen Siedlern aus Württemberg, die sich 1818 im Kreis Elizabethpol, dem heutigen Gəncə, niederließen, wo sie zwei Siedlungen gründeten: 1819 Helenendorf, heute Göygöl und Kolonie Annenfeld, heute Şəmkir.

Die Ursachen der deutschen Auswanderung liegen vor allem in den schwierigen politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland zur Zeit der Napoleonischen Kriege. In einer besonders schwierigen Situation befand sich der Süden Deutschlands, vor allem die Region Württemberg. 1815 kam es nach einem Ausbruch des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa zu dramatischen Klimaanomalien „Jahr ohne Sommer“ in Süddeutschland. Missernten bewirkten eine Verteuerung der Lebensmittel. Armut und Arbeitslosigkeit machten sich breit. Infolgedessen wandten sich die Auswanderungswilligen an den russischen Zaren Alexander I., dessen Mutter Sophie Dorothee selbst Württembergerin war. Als er auf der Reise zum Wiener Kongress in Stuttgart Station machte, erbaten sie von ihm die Erlaubnis, sich im Kaukasus anzusiedeln. Einen weiteren Grund für die Siedlung der Deutschen im Südkaukasus bildeten die Interessen des Russischen Reiches im neu eroberten Aserbaidschan und seine diesbezügliche Einwanderungspolitik. Anderen Quellen zufolge bot Alexander I. Auswanderungswilligen eine neue Heimat im Kaukasus mit Religionsfreiheit und ohne Wehrpflicht."

Bei der evangelischen St.-Johannis-Kirche, sie gilt als erste deutsch-lutherische Kirche in Aserbaidschan. Hier treffen wir einen lokalen Guide (rechts) und die Leiterin der Kirche (zweite von rechts), welche heute ein Event lokal ist.

Für ihr Gästebuch möchte die Chefin ein Gruppenfoto von uns; Gegenrecht für mich.

So sah die Kirche vor der Sanierung/Renovierung aus.

Auf dem Platz vor der Kirche spielen Girls Volleyball. Ich mache kurz mit und erhalte dafür ...

Zusammen mit den beiden Einheimischen besuchen wir das Haus von Viktor Klein, dem "letzten" Deutschen in Helenendorf.

"Viele der verbliebenen Deutschen werden auf Befehl Stalins nach Kasachstan und Sibirien deportiert. 1920 lösen die Kommunisten die deutschen Selbstverwaltungen auf. Unternehmen der württembergischen Nachkommen werden verstaatlicht, deutsche Schulen geschlossen. Die 1857 erbaute Kirche in Helenendorf dient fortan und bis 2008 als Sporthalle. Nach Deportationen in den 1930er Jahren nach Karelien erfasst eine weitere Welle 1941 fast alle noch gebliebenen Deutschen Aserbaidschans: Mehr als 22'000, darunter 2675 Helenendorfer, werden auf Befehl Stalins nach Kasachstan und Sibirien deportiert.

Viktor Klein ist damals fünf Jahre alt. Als einer von sehr wenigen Deutschstämmigen bleibt er in Helenendorf. Angeblich soll sein polnischer Vater ein wichtiger kommunistischer Parteifunktionär gewesen sein. Bis zu seinem Tod 2007 lebt Viktor zusammen mit seiner deutschen Mutter in einem Haus, das er per Testament der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Baku überlässt. Heute befindet es sich im Bestand des Ministeriums für Kultur und Tourismus Aserbaidschans. Hier ist dank der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und Spenden, die der deutsch-aserbaidschanische Kultur- und Wissenschaftsverein „Euro-Kauk-Asia“ gesammelt hatte, ein Museum entstanden."

"Das Haus zeigt die typische Einrichtung der Deutschen im einstigen Helenendorf. Neben dem mit Biedermeiermöbeln ausgestatteten Wohnzimmer mit Klavier und Bibeln in gotischer Schrift befindet sich eine Küche mit Alltagsgegenständen wie einem gusseisernen Waffeleisen. In der Scheune im Nebenraum führt eine wacklige Holztreppe hinunter zum etwa sechs Meter tiefen Keller, wo typischerweise Wein und Lebensmittel gelagert wurden. Viele Keller waren miteinander verbunden, so dass die Württemberger – von den Augen der Nachbarschaft – von einem Gebäude zum nächsten gelangen konnten."

Nach der Besichtigung verabschieden wir uns von der Leiterin der Kirche. Der lokale Guide lässt uns fragen, ob wir Lust hätten, ein Restaurant im sowjetischen Stil und mit Würsten vom Grill, gemäss deutschem Rezept, aufzusuchen; wir wollen.

Das Angebot besteht aus Kebab, Würste, Salat und Brot. Alle wollen die deutschen Rezept-Würste essen.

Freust du dich auch auf die Würste, Gert?

Danach zeigt uns der lokale Guide einen Keller, der erst kürzlich entdeckt, resp. freigelegt worden sei.

In einem anderen Keller fand eine Wein-Degustation statt; wir können von den Resten in den Flaschen verschiedene Weine verkosten.

Die Kellerräume sind sehr gross.

Nach diesem Besuch in der Unterwelt verabschieden wir uns vom Guide und Guide Abbas übernimmt wieder die Gruppe. Er führt uns zum Bottle House, eine ungewöhnliche Privatresidenz in Ganja, die aus Glasflaschen gebaut wurde.

"Das zweistöckige Flaschenhaus wurde von Ibrahim Jafarov, einem Einwohner von Ganja, in den Jahren 1966-67 aus Glasflaschen verschiedener Formen und Grössen und bunten Steinen, die aus Sotschi mitgebracht wurden, gebaut. Beim Bau wurden 48'000 Flaschen verwendet. Der Bau dieses Hauses war dem Gedenken an den Bruder von Ibrahim Jafarov gewidmet, der während des Zweiten Weltkriegs vermisst wurde."

Für die Buchstaben wurden braune Medizinflaschen verwendet.

Wir kehren zum Bus zurück und erreichen nach einer kurzen Fahrt Ganja; no Happy Ganja.

"Ganja (Gəncə, sprich „Gändscha“) ist die drittgrösste Stadt Aserbaidschans. Gəncə blickt auf eine mehrtausendjährige Siedlungsgeschichte zurück. Belegt ist aber erst eine arabische Stadtgründung 860. Zahlreiche Verwüstungen und Erbeben haben jedoch kaum wirklich alte Bauten überleben lassen."

Wir besichtigen zuerst die Alexander-Newski-Kirche, eine russisch-orthodoxe Kirche.

Die Kirche ist sehr opulent dekoriert.

"Die Staatliche Philharmonie , der Konzertsaal in Ganja, ist nach dem Komponisten Fikret Amirov benannt, der 1922 in Ganja geboren wurde und eine Zeit lang (1942-1943) die Philharmonie leitete."

Ganz in der Nähe ist der Hamam und ...

... die Shah Abbas Mosque, benannt nach Schah Abbas dem Grossen, der sie während seiner Herrschaft 1606 erbauen liess. Die beiden Minarette sind nicht an die Moschee angebaut, sondern in einiger Distanz auf der anderen Seite des Männereinganges.

Ein paar Schritte später staunen wir über den Verwaltungspalast aus Sowjetzeit.

Wir gehen an der mittelalterlichen Karawanserei vorbei zu unserem Bus, der uns ins VIS Palm Hotel fährt.

Das "Tulpenbier" ist verdient. Nach dem Apéro kaufe ich mir im benachbarten Supermarkt Essen ein und konsumiere es in meinem Zimmer.

 

Samstag, 18. Oktober 2025: Von Ganja über Qobustan zurück in die Hauptstadt Baku

Blick aus meinem Zimmerfenster.

Frühstück gibt's ab 07:30 Uhr im obersten Stock vom Hotel.

Kurz nach der Abfahrt um 08:30 Uhr halten wir beim Mausoleum von Nizami ausserhalb der Stadt Ganja an.

"Nizami Ganjavi (1141–1209) war ein persischen Dichter, der in Ganja im heutigen Aserbaidschan geboren wurde. Das Nizami-Mausoleum, das zu Ehren des Dichters aus dem 12. Jahrhundert erbaut wurde, steht etwas ausserhalb der Stadt Ganja. Er gilt als bedeutender persischer Dichter und Denker, der eng mit dem Gebiet verbunden ist, in dem er geboren wurde und den Großteil seines Lebens verbrachte."

Das Grab von Nizami ist seit vielen Jahrhunderten ein Ort hingebungsvoller Pilgerfahrten. Dem Historiker Wassili Bartold zufolge wurde das Mausoleum erstmals 1606 in historischen Chroniken erwähnt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert war das Mausoleum fast vollständig zerstört. Im Jahr 1925 wurde das Grab des Dichters ausgegraben und seine sterblichen Überreste exhumiert, um sie im Zentrum von Ganja wieder zu bestatten. Die Führung des sowjetischen Aserbaidschans ordnete jedoch die Umbettung des Dichters am selben Ort und die Errichtung eines provisorischen Denkmals an. Im Jahre 1947 wurde ein neues Mausoleum aus Kalkstein errichtet. Später errichtete die sowjetische Regierung in der Nähe des Mausoleums eine Aluminiumproduktionsstätte. Die gefährlichen Emissionen des Kraftwerks beschädigten das Gebäude schwer und es stürzte Ende der 1980er Jahre ein. Das Mausoleum wurde in seiner heutigen Form wieder aufgebaut, nachdem Aserbaidschan nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte."

Draussen im Park sind einige der berühmten Geschichten von Nizami künstlerisch dargestellt. Abbas erklärt uns diese Märchen.

Wir kehren zum Bus zurück und setzen die Fahrt fort um ...

... sie kurze Zeit beim Stadttor wieder zu unterbrechen.

Bitte alle wieder einsteigen, wir fahren weiter.

Der Bus ist sehr geräumig und alle können zwei Sitze beanspruchen.

Fahrer Zaur fährt auf eine Raststätte, der Bus braucht eine Tankfüllung. Der Mittag hat bereits begonnen, einer kleinen Nahrungsaufnahme steht nichts im Wege.

Gruppendynamik: Keiner weiss was es ist, einer bestellt, die anderen schauen zu und bestellen auch.

Meine gekaufte vegetarische Qutab, ein gefülltes Fladenbrot mit Kräutern, schmeckt lecker.

"Qutab ist ein traditionelles Gericht in der aserbaidschanischen und turkmenischen Küche, das aus dünn ausgerolltem Teig besteht, der mit einer Vielzahl von Zutaten gefüllt und kurz auf einer konvexen Grillplatte, der Saj, gegart wird. Dieses vielseitige und beliebte Gericht gibt es in vielen Variationen, mit Füllungen, die von herzhaftem Fleisch, Kräutern und Kürbis bis hin zu unkonventionelleren Zutaten wie gehackten Schafdärmen reichen. Wird normalerweise als Vorspeise serviert und ist in einer kleinen Grösse erhältlich. In einigen Regionen Aserbaidschans und Turkmenistans werden grössere Versionen hergestellt, bei denen Qutab dann als Hauptgericht fungiert."

Nun noch etwas zum Trinken kaufen und es kann weitergehen.

Gut eine Stunde später erreichen wir den Mud Volcanoes Tourism Complex, der den Besuchern ermöglicht, die Schlammvulkane zu erleben, bei denen Schlamm und Gase aus der Erde strömen. Der Komplex befindet sich im Naturreservat Qobustan, das auch für seine Felsgravuren bekannt ist, die wir später besuchen werden.

In einem der Gebäude kann man mehr über die geologischen Prozesse und die im Schlamm enthaltenen Mineralien erfahren.

Eindrückliche Landschaft.

Auch hier lassen sich keine Schlangen oder Skorpione blicken.

Nach einer Fahrt von einer halben Stunde halten wir im grössten Felsmalerei-Museum Europas an und begeben uns auf eine Reise durch die Zeit im Gobustan-Nationalpark, einem einzigartigen Kultur-Landschaftsschutzgebiet.

"Die 537 Hektar grosse Fläche des Parks beherbergt mehr als 6'000 Felsritzungen, Höhlenmalereien und Petroglyphen, die sich über 40'000 Jahre Menschheitsgeschichte erstrecken und die Besucher in das reiche Erbe dieses alten Landes eintauchen lassen. Die felsigen und steinigen Hügel von Gobustan sind Heimat von Überresten menschlichen Lebens vom Steinzeitalter bis zum Mittelalter und bieten einen faszinierenden Einblick in das Alltagsleben unserer Vorfahren. Unter den zahlreichen Ritzungen und Malereien finden sich Darstellungen von Ritualen, Jagdszenen, Kriegern, Booten und sogar Astrologie, die die Interessen und die Vorstellungskraft derer offenbaren, die vor uns kamen."

Wir erreichen die Stadt Baku, wo wir wieder im Central Park Hotel absteigen.

Nach dem Zimmerbezug und einer kurzen Erholungspause, warte ich an der Hotelbar auf die beiden anderen Schweizer, Jona und Roland. Wir wollen gemeinsam in ein spezielles Restaurant essen gehen, dem Sirvansah Musey Restoran.

"In Baku gibt es mehrere Museum-Restaurants, wobei das bekannteste das Sirvansah Museum Restaurant ist. Es befindet sich in einem historischen Gebäude im alten Baku und bietet eine Kombination aus traditioneller aserbaidschanischer Küche, nationaler Musik und kulturellen Artefakten, darunter Teppichkunst, Schmuck und Möbel aus verschiedenen Epochen."

Wohl weil wir keine Reservation haben, werden wir in den obersten Stock des dreistöckigen Restaurants geführt. Das Ambiente des Lokals ist sensationell: viele schöne Teppiche, alte Möbel und verschiedenste Exponate und Artefakte als Dekoration.

Mit dem heutigen Tag geht unsere interessante Reise im Mutterland Aserbaidschan zu Ende. Morgen fliegen wir nach Nachitschewan, der Exklave von Aserbaidschan. Wir verabschieden uns von Guide Abbas, mit dem wir eine sehr gute und informative Zeit verbracht haben. Die von Diamir.de angebotene Reise kann ich bestens empfehlen.

 

Die Fortsetzung der Reise geht nun unter Nachitschewan weiter.

 

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